Patientenverfügung? Brauch ich nicht!

In Allgemein by nicnackeLeave a Comment

 

„Patientenverfügung? Brauch ich nicht! Ich bin doch noch so jung.“

Genau das habe ich früher auch gedacht. Und dann bekam ich eine Lungenentzündung und 3 Wochen ins Krankenhaus. Es mag für einige nur eine Kleinigkeit sein. Manch einer wird sagen „Ja, der hat ja auch HIV und dadurch ein erhöhtes Risiko!“ Ich bin aber in Therapie und vom restlichen her sehr gesund. Die Lungenentzündung war ja nur eine „Ausnahme“ weil der Virus da gerade erst entdeckt wurde und ich noch nicht in Behandlung war. In der Zeit im Krankenhaus kam ich aber ans nachdenken. Da hat man ja auch eine Menge Zeit dazu.

Zum damaligen Zeitpunkt arbeitete ich in Hamburg, wohnte aber in Berlin. Ich bin also fast wöchentlich gependelt. Mit dem Zug, Fernbus und auch mit dem eigenen Auto. Was ist wenn ich einen Unfall habe? Wenn man unterwegs ist, kann man das ja in den seltensten Fällen beeinflussen. Wenn ich bewusstlos bin, woher sollen die Sanitäter und Ärzte wissen das ich HIV Positiv bin? Welche Medikamente ich nehme? Und woher sollen sie wissen wen sie informieren sollen? Und dann der schlimmste anzunehmende Fall: Was ist wenn ich im Koma liege und keine Chance auf Heilung besteht?

Als junger Mensch macht man sich darüber viel zu wenig Gedanken. „Patientenverfügung braucht nur meine Oma oder mein Opa. Aber ich doch nicht!“ sagt man dann. Aber jeder ist täglich im Straßenverkehr unterwegs. Und man brauch noch nicht einmal selbst schuld an einem Unfall sein. Trotzdem kann der Fall eintreten das man im Koma im Krankenhaus liegt.

Als habe ich mich im Internet umgesehen und habe mir die Vorlagen für eine Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht auf der Internetseite der Ärztekammer Hamburg runtergeladen, angepasst und ausgedruckt. Allerdings wird empfohlen – ist aber gesetzlich keine Pflicht – sich von einem Arzt beraten zu lassen. Wer ganz auf Nummer sichergehen will, kann beides von einem Anwalt oder Notar aufsetzen lassen. Bei dem Advocard 360° Rundumschutz werden die Kosten sogar übernommen.

Man sollte sich aber ganz genau überlegen wen man in der Patientenverfügung und in der Vorsorgevollmacht als berechtigte Person einträgt. Es sollte eine Person sein der man voll und ganz Vertraut und die auch eine weitestgehend rationale, und nicht emotionale, Entscheidung trifft. Den im Falle des Falles vertraut man dieser Person gewissermaßen sein Leben an. Und natürlich muss man mit dieser Person dann auch sprechen, damit sie weiß welche Wünsche, bezogen auf eine weitere Behandlung, hat. Ich habe zum Beispiel meinen Bruder in beidem eingesetzt. Und das wissen auch alle wichtigen Personen wie meine Mutter, mein Bruder und mein Partner. Mein Bruder und ich haben je ein von uns beiden unterschriebenes Original. Eines hat mein Bruder, eines habe ich. Den für den Fall der Fälle muss die eingesetzte Person ein Original haben; Kopien akzeptieren die Ärzte nicht. Mein Bruder hat dann natürlich auch alle wichtigen Telefonnummern um Personen zu informieren. Meine Eltern selbstverständlich und er ist (im Moment) der einzige der die Nummer von meinem Schatz hat. Meine Eltern haben die Nummer noch nicht.

 

Und was ich auch jedem empfehle ist mindestens ein Zettel mit den eigenen Daten (Name, Geburtsdatum) evtl. Krankheiten und Allergien (vor allem gegen Medikamente) und einzunehmenden Medikamenten sowie Kontaktdaten von Personen die Informiert werden sollen, im Portemonnaie dabei zu haben. Nachdem ich im Internet etwas gesucht habe, habe ich mir dann auch ein Notfallarmband gekauft. Das ist ein Armband mit einem USB-Speicher. Darauf ist ein kleines Programm in das man alle notwendigen Daten eintragen kann. Und das Programm ist in 8 Sprachen (Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Niederländisch, Portugisisch, Spanisch und Finnisch). Dazu ist auf dem Stick noch etwas Platz um weitere Dokumente zu speichern. Aber Achtung: Es kann sein das bei einem Notfall, wenn es schnell gehen muss, die Sanitäter den nicht einlesen (können). Deshalb sollte man immer noch einen Zettel oder Notfallausweis dabei haben.

 

Hintergrund des Beitragsbildes: by Lupo  / pixelio.de